GESCHÄFTSMODELLE
3D-Druck-Service anbieten: Druckaufträge für andere annehmen
Von Samuel Hofert · Stand: November 2026
Kurz gesagt
Mit einem Druckservice druckst du Dateien, die dir Kunden schicken, und verlangst dafür einen Preis pro Auftrag. Kunden findest du vor allem lokal, über Kleinanzeigen und über Empfehlungen. Die größten Fallen sind ein zu niedriger Preis, Dateien, die du gar nicht drucken darfst, und Teile, bei denen ein Bruch gefährlich wäre.
Einen Druckservice hab ich selbst nie angeboten. In meinem Shop hab ich eigene Produkte verkauft. Das hier ist, was ich über Lohnfertigung weiß und was ich mir vorher anschauen würde, wenn ich damit starten wollte.
Was ein Druckservice eigentlich ist
Jemand hat eine Datei oder eine Idee, aber keinen Drucker. Du druckst das Teil und bekommst Geld dafür. Das nennt man Lohnfertigung oder Auftragsfertigung. Der Unterschied zu eigenen Produkten: Du weißt vorher nie genau, was kommt. Mal ist es ein Halter für ein Regal, mal eine Cosplay-Rüstung in zwanzig Teilen.
Wo du Kunden findest
- Kleinanzeigen. Eine Anzeige „3D-Druck Service“ in deiner Stadt mit ein paar echten Beispielfotos. Keine Gebühren, und viele suchen dort lokal.
- Vor Ort. Modellbau-Vereine, Cosplayer, Makerspaces, Handwerker, Schulen. Wer einmal zufrieden war, empfiehlt dich weiter.
- Google-Unternehmensprofil. Viele suchen nach „3D-Druck in der Nähe“. Mit einem Profil wirst du dort gefunden.
- Plattformen. Es gibt Vermittler wie Treatstock, bei denen sich Druckdienste mit eigenen Druckern registrieren und erst einen Qualitätstest bestehen. Craftcloud vergleicht Preise vieler Druckdienste, dort sind aber eher professionelle Anbieter gelistet. Prüf die Bedingungen und Gebühren im Moment selbst, die ändern sich.
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So kalkulierst du den Preis
Der häufigste Fehler ist, nur das Filament zu berechnen. In deinen Preis gehören:
- Material und Strom
- Verschleiß des Druckers (Düsen, Druckplatte, irgendwann der ganze Drucker)
- deine Zeit für Datei prüfen, slicen, Rückfragen, Nachbearbeitung und Verpacken
- Fehldrucke, denn nicht jeder Druck klappt beim ersten Mal
- Versand und Verpackung
Viele Druckdienste nehmen deshalb eine Grundgebühr pro Auftrag oder einen Mindestbestellwert. Das ist sinnvoll: Ein Teil für 2 € Material kann dich eine halbe Stunde Kommunikation kosten. Ich hab bei meinem Shop lange nach Gefühl kalkuliert und war am Anfang viel zu billig. Rechne lieber einmal sauber mit dem Kosten-Rechner.
Kundendateien: Darfst du das drucken?
Das ist der Punkt, den viele unterschätzen. Nur weil dir jemand eine Datei schickt, heißt das nicht, dass du sie drucken darfst.
- Fremde Designs. Hat der Kunde das Modell von einer Plattform geladen, gilt dessen Lizenz. Steht da „NC“ (nicht kommerziell), ist ein bezahlter Druck durch dich schwierig. Auch die Privatkopie hilft hier nach verbreiteter Ansicht nicht, wenn ein Dritter gegen Geld vervielfältigt.
- Marken und Figuren. Logos, Filmfiguren, Spielfiguren: Finger weg, auch wenn der Kunde sagt, es ist nur für ihn.
- Waffen und Waffenteile. Grundsätzlich ablehnen.
Was ich machen würde: Den Kunden bestätigen lassen, dass er die Rechte an der Datei hat, zum Beispiel in deinen Auftragsbedingungen. Das schützt dich nicht vor allem, zeigt aber, dass du gefragt hast. Bei offensichtlich geschützten Sachen lieber ablehnen. Mehr dazu: Lizenzen
Haftung: Was, wenn ein Teil bricht?
Du stellst das Teil her. Bricht eine Halterung und es fällt jemandem etwas auf den Kopf, kann die Frage aufkommen, wer haftet. Darum:
- Frag nach, wofür das Teil gedacht ist.
- Lehne sicherheitsrelevante Teile ab, also alles, was Menschen tragen oder schützen soll.
- Denk über eine Betriebshaftpflicht nach: Versicherung beim 3D-Druck
Ob für Auftragsdrucke nach Kundendatei auch die Pflichten aus GPSR und CE gelten, hängt vom Einzelfall ab. Das würde ich mit der IHK klären. Mir hat die IHK bei GPSR kostenlos geholfen, und kaum jemand nutzt das. Mehr dazu: GPSR und CE
Was du vorher klären solltest
- Gewerbe. Wer regelmäßig gegen Geld druckt, braucht in der Regel eins: Gewerbe anmelden
- Widerruf. Bei Waren, die nach Kundenwunsch angefertigt werden, gibt es für Verbraucher in der Regel kein Widerrufsrecht. Schreib das klar in deine Bedingungen und lass dich im Zweifel beraten.
- Rechnung. Jeder Auftrag braucht eine saubere Rechnung: Rechnung schreiben
- Anzahlung. Bei großen Aufträgen ist eine Anzahlung vor dem Druck üblich und schützt dich vor Kunden, die plötzlich abspringen.
Mein Fazit
Ein Druckservice ist eher Dienstleistung als Produktverkauf. Du redest viel, kalkulierst jeden Auftrag neu und musst bei Dateien genau hinschauen. Wer gern mit Leuten zu tun hat und schnell antwortet, kann damit gut starten. Wer lieber in Ruhe ein Produkt verbessert, ist mit eigenen Produkten wahrscheinlich glücklicher. Und bei allem Rechtlichen gilt: IHK oder Anwalt fragen, nicht raten.
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Häufige Fragen
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Keine Rechts- oder Steuerberatung. Ich zeige dir, wie es bei mir war und was ich gelernt habe. Im Zweifel frag deine IHK, die berät kostenlos.
