RECHTLICHES
GPSR und CE-Kennzeichnung bei 3D-Drucken: Was du wirklich brauchst
Von Samuel Hofert · Stand: November 2026
Kurz gesagt
Die GPSR gilt für fast alles, was du an Privatkunden verkaufst. Als Hersteller müssen dein Name, deine Adresse und eine Kontaktmöglichkeit aufs Produkt oder die Verpackung und in jedes Angebot. Eine CE-Kennzeichnung brauchst du nur, wenn eine spezielle EU-Regel greift. Bei 3D-Drucken ist das meistens Spielzeug oder alles mit Strom.
Das ist das Thema, das mich am meisten Nerven gekostet hat. Ich musste meinen Shop eine Zeit lang offline nehmen, unter anderem weil die CE-Kennzeichnung gefehlt hat. Geholfen hat mir am Ende die IHK. Für PrintToSell hab ich außerdem zwei Berater der IHK Pfalz interviewt. Was ich dabei gelernt hab, steht hier.
Was ist die GPSR?
GPSR steht für General Product Safety Regulation, auf Deutsch Produktsicherheitsverordnung. Sie gilt seit dem 13. Dezember 2024 in der ganzen EU.
Der Grund: Es kamen immer mehr Produkte in die EU, bei denen niemand nachvollziehen konnte, wer sie hergestellt hat. Jetzt muss bei jedem Produkt klar sein, wer dafür verantwortlich ist.
Wenn du selbst druckst und unter deinem Namen verkaufst, bist du der Hersteller. Auch dann, wenn das Modell von jemand anderem designt wurde.
Was du als Hersteller machen musst
- Deine Angaben aufs Produkt. Name, Postanschrift und eine E-Mail-Adresse oder Website. Wenn das auf dem Produkt nicht geht, weil es zu klein ist, dann auf die Verpackung oder einen beiliegenden Zettel.
- Die gleichen Angaben in jedes Angebot. Dazu ein Bild vom Produkt und eine Bezeichnung. Etsy hat dafür eigene Felder.
- Eine Produktkennung. Zum Beispiel eine Artikel- oder Chargennummer, damit man das Produkt zuordnen kann.
- Warn- und Sicherheitshinweise, wenn nötig. Auf Deutsch. Zum Beispiel, wenn dein Produkt nicht hitzebeständig oder nicht für Lebensmittel geeignet ist.
- Eine kurze Risikobewertung für dich. Überleg dir für jedes Produkt: Was kann damit passieren, und wie verhinderst du das? Schreib es auf und heb es auf.
Postanschrift heißt: eine Adresse, unter der du erreichbar bist. Wenn du von zu Hause verkaufst, ist das meistens deine Wohnadresse. Ein IHK-Berater hat im Interview selbst gesagt, dass das nicht ideal ist. Aber so ist es vorgesehen.
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Brauche ich eine CE-Kennzeichnung?
Meistens nicht. Es gibt über 20 EU-Richtlinien, die eine CE-Kennzeichnung verlangen. Die meisten haben mit 3D-Drucken nichts zu tun, zum Beispiel die für Seilbahnen, Medizinprodukte oder Boote.
Für 3D-Drucke sind vor allem zwei wichtig:
- Spielzeug. Alles, was dafür gedacht ist, dass Kinder unter 14 Jahren damit spielen. Also zum Beispiel auch Murmelbahn-Teile. Dann ist die CE-Kennzeichnung Pflicht.
- Alles mit Strom. Sobald Elektronik drin ist, zum Beispiel LEDs, Akkus oder ein Motor, gelten die CE-Regeln für Elektrogeräte.
Die IHK hat es im Interview so zusammengefasst: Wenn du nichts mit Strom machst und kein Spielzeug verkaufst, fällst du sehr wahrscheinlich nicht unter die CE-Regeln. Unter die GPSR aber auf jeden Fall.
Wenn dein Produkt Spielzeug ist
Dann wird es aufwendiger. Du brauchst eine Sicherheitsbewertung, technische Unterlagen und eine EU-Konformitätserklärung. Viele lassen ihre Teile dafür nach der Spielzeugnorm EN 71 prüfen. Erst dann darf das CE-Zeichen drauf.
Seit 2026 gibt es außerdem eine neue EU-Spielzeugverordnung. Sie gilt vollständig ab August 2030 und bringt dann zum Beispiel einen digitalen Produktpass. Bis dahin gelten die bisherigen Regeln.
Mein Rat: Wenn du Spielzeug verkaufen willst, sprich vorher mit deiner IHK.
Mach das CE-Zeichen nie einfach so drauf
Manche denken: Ich mach das CE-Zeichen einfach zusätzlich drauf, das sieht sicherer aus. Genau das ist nicht erlaubt. Das CE-Zeichen darf nur drauf, wenn eine CE-Regel für dein Produkt gilt und du alles dafür erfüllt hast.
Brauche ich den TÜV?
Wenn für dein Produkt keine CE-Pflicht gilt: nein. Für die GPSR musst du dein Produkt nicht beim TÜV, bei der DEKRA oder einer anderen Prüfstelle vorbeibringen. Das hat mir die IHK im Interview ausdrücklich gesagt. Wichtig ist, dass du die Anforderungen erfüllst und schon bei der Produktentwicklung daran denkst.
Nicht nur Hersteller haben Pflichten
Auch wer fertige Produkte einkauft und weiterverkauft, hat Pflichten. Viele denken: Ich verkaufe es ja nur weiter, damit hab ich nichts zu tun. Das stimmt nicht.
Hol dir kostenlose Hilfe
Bei mir hat die IHK geholfen. Ich hab meine Produkte mitgebracht, und zwei Berater haben sie sich angeschaut. Das ist kostenlos, und kaum jemand nutzt es.
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Häufige Fragen
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DER ÜBERBLICK
3D-Drucke verkaufen: Was du wirklich beachten musst
Ja, du darfst deine 3D-Drucke verkaufen. Dafür brauchst du ein Gewerbe, die Erlaubnis für das Modell, die Angaben nach der Produktsicherheitsverordnung (GPSR) und eine Registrierung im Verpackungsregister LUCID. Bei Spielzeug und allem mit Strom kommt die CE-Kennzeichnung dazu.
RECHTLICHES
3D-Druck verkaufen: Brauchst du ein Gewerbe?
Ja, sobald du regelmäßig verkaufst und damit Gewinn machen willst. Die Anmeldung kostet je nach Stadt meist 20 bis 60 € und geht oft online. Danach kommen noch der Fragebogen vom Finanzamt und die Meldung bei der Berufsgenossenschaft.
RECHTLICHES
Darf ich 3D-Drucke von Thingiverse, Printables oder MakerWorld verkaufen?
Nur wenn die Lizenz es erlaubt. Steht "NC" drin oder ist es die "Standard Digital File License", darfst du die Drucke nicht verkaufen. Bei CC BY und CC BY-SA darfst du, wenn du den Designer nennst. In allen anderen Fällen: Designer fragen oder eine kommerzielle Lizenz kaufen.
Keine Rechts- oder Steuerberatung. Ich zeige dir, wie es bei mir war und was ich gelernt habe. Im Zweifel frag deine IHK, die berät kostenlos.
